OECD Multilingual Summaries

Supporting Investment in Knowledge Capital, Growth and Innovation

Summary in German

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Förderung von Investitionen in Wissenskapital, Wachstum und Innovation

Zusammenfassung in Deutsch

Innovation ist für den Unternehmenserfolg von entscheidender Bedeutung, der Ursprung der Innovation ändert sich jedoch. Die Unternehmen von heute blicken über Forschung und Entwicklung (FuE) hinaus, wenn es darum geht, die Innovation voranzutreiben. Sie investieren in ein breiteres Spektrum immaterieller Vermögenswerte wie Daten, Software, Patente, Designs, neue Organisationsprozesse und Unternehmenskompetenzen. Die Gesamtheit dieser nichtphysischen Vermögenswerte bildet das wissensbasierte Kapital.

Die Unternehmensinvestitionen in wissensbasiertes Kapital wachsen in vielen OECD‑Ländern seit mehreren Jahren schneller als die Investitionen in Sachkapital, wie z.B. Maschinen und Gebäude. Die Unternehmensinvestitionen in wissensbasiertes Kapital sind heute in einigen Ländern erheblich höher als die Investitionen in Sachkapital, und während der globalen Krise waren die Gesamtinvestitionen in wissensbasiertes Kapital relativ robust.

Aber wie hoch ist der Beitrag, den das wissensbasierte Kapital zum Wachstum leistet, und könnte dieser Beitrag noch erhöht werden? Dieser Bericht soll Aufschluss über den wirtschaftlichen Wert des wissensbasierten Kapitals geben und dazu beitragen, die Politikherausforderungen zu bewältigen, die sich daraus in den Bereichen Innovation, Steuern, unternehmerische Tätigkeit, Wettbewerb, Unternehmensberichterstattung und geistiges Eigentum ergeben.

Wichtigste Ergebnisse:

  • Unternehmensinvestitionen in wissensbasiertes Kapital fördern Wachstum und Produktivität. Studien über die Europäische Union und die Vereinigten Staaten zeigen, dass das durchschnittliche Wachstum der Arbeitsproduktivität zu 20‑34% auf Unternehmensinvestitionen in wissensbasiertes Kapital zurückzuführen ist.
  • Wissensbasiertes Kapital verändert die Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen bestimmen. So entfällt im Automobilsektor ein immer größerer Teil der Kosten für die Entwicklung neuer Fahrzeuge auf Software, und in Premiumfahrzeugen stecken mehrere Millionen Zeilen Computercode.
  • Darüber hinaus leiten Länder, die stärker in wissensbasiertes Kapital investieren, ihre Ressourcen effektiver in innovative Unternehmen. Die Investitionen in wissensbasiertes Kapital sind in den Vereinigten Staaten und Schweden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwa doppelt so hoch wie in Italien und Spanien, und die patentierenden Unternehmen ziehen in den Vereinigten Staaten und in Schweden viermal so viel Kapital an wie die entsprechenden Unternehmen in Italien und Spanien.
  • Es ist durchaus möglich, dass die Steuervergünstigungen für FuE bei Berücksichtigung der grenzüberschreitenden Steuergestaltung multinationaler Unternehmen insgesamt höher ausfallen, als dies von den Regierungen bei der Konzipierung ihrer FuE‑Steueranreize geplant war. Es ist ebenfalls möglich, dass den Ländern Steuereinnahmen, die aus den Ergebnissen der subventionierten FuE‑Tätigkeit resultieren, entgehen und dass die mit der Produktion verbundene Wissensverbreitung im Inland hinter den Erwartungen zurückbleibt. Darüber hinaus müssen wir das Risiko berücksichtigen, dass eine Zunahme der Steueranreize zur Förderung der FuE‑Tätigkeit zu steigenden Steuerausfällen führen kann, ohne mit einer entsprechenden Zunahme der Innovation einherzugehen.
  • Überdies haben Unternehmen, die nicht zu einem multinationalen Konzern gehören, – häufig kleine und junge Unternehmen – bei der Durchführung und Nutzung von FuE möglicherweise Wettbewerbsnachteile gegenüber multinationalen Unternehmen. Außerdem sind noch weitere Daten erforderlich, um schätzen zu können, wie hoch die Erträge sind, die über die Steuerplanung multinationaler Unternehmen unter Heranziehung von wissensbasiertem Kapital in Länder verlagert werden, die niedrige oder gar keine Steuern erheben.
  • Branchen, in denen wissensbasiertes Kapital eine große Rolle spielt, werfen neue Fragen für die Wettbewerbspolitik auf, insbesondere in der digitalen Wirtschaft, die sich im Hinblick auf den Wettbewerb in einigen Aspekten von anderen Sektoren unterscheidet.
  • Die geistigen Eigentumsrechte gewinnen als Rahmenbedingung für Investitionen in wissensbasiertes Kapital zunehmend an Bedeutung. Die Regeln zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum haben mit dem technologischen Wandel jedoch nicht immer Schritt gehalten – so wurden viele Urheberrechtssysteme für eine Welt konzipiert, in der Texte auf Papier gedruckt wurden, was die Einführung neuer digitaler Dienste behindern kann.
  • In den einzelnen Ländern besteht eine positive Korrelation zwischen dem Marktwert der Unternehmen und den Investitionen in wissensbasiertes Kapital. Die Finanzberichte der Unternehmen enthalten jedoch nur begrenzte Informationen über die Investitionen in wissensbasiertes Kapital. Dies kann die Unternehmensfinanzierung beeinträchtigen und die Unternehmensführung schwächen.
  • Um den Zusammenhang zwischen Innovation und Wachstum umfassender verstehen zu können und die Politik zu verbessern, sind eine bessere Messung des wissensbasierten Kapitals und eine gemeinsame Messmethodik erforderlich.
  • Da die Unternehmensinvestitionen in wissensbasiertes Kapital zunehmen, wird es immer wichtiger, bei der Bildung von Humankapital richtig vorzugehen. Die Grundlage von wissensbasiertem Kapital ist Humankapital: So handelt es sich bei Software im Wesentlichen um in Computercode übersetzte menschliche Fachkompetenz.
  • Das Wachstum des wissensbasierten Kapitals hat darüber hinaus weitreichende Auswirkungen auf die Beschäftigung und die Einkommensunterschiede. Eine Volkswirtschaft, die auf wissensbasiertem Kapital beruht, belohnt Kompetenzen und Personen, die nichtroutinemäßige manuelle und kognitive Tätigkeiten verrichten, sie kann jedoch auch dazu führen, dass Investoren (die letztlich einen großen Teil des wissensbasierten Kapitals besitzen) gegenüber Arbeitnehmern begünstigt werden.

Wichtigste Politikempfehlungen:

  • Für Investitionen in wissensbasiertes Kapital ist es unerlässlich, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, und die politischen Entscheidungsträger können dies ohne große Belastung der öffentlichen Haushalte gewährleisten. In globalen Wertschöpfungsketten sind bedarfsgerechte Rahmenbedingungen wichtig für die Schaffung und Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze.
  • Gut funktionierende Produkt‑ und Arbeitsmärkte und Regelungen für die Fremdkapitalaufnahme und die Frühphasenfinanzierung mit Beteiligungskapital sind für die Förderung von Investitionen in wissensbasiertes Kapital von entscheidender Bedeutung. Außerdem sollte das Insolvenzrecht unternehmerisches Scheitern nicht übermäßig bestrafen. Würde das Insolvenzrecht gegenüber seiner strengsten Ausprägung überall auf das Durchschnittsniveau des OECD‑Raums zurückgenommen, könnten die Kapitalströme an patentierende Unternehmen um etwa 35% erhöht werden.
  • Die politischen Entscheidungsträger sollten den Begriff der Innovation erweitern, indem sie über die traditionelle, auf FuE fokussierte Vorstellung hinausgehen. Andere Formen von wissensbasiertem Kapital wie Design, Daten und Organisationskapital sollten bei den politischen Zielen ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Die Politik sollte es den Unternehmen erleichtern, neue Ideen zu entwickeln und kommerziell zu verwerten, indem sie die Kosten einer Insolvenz mindert und die Unternehmen ermutigt, potenzielle Wachstumschancen zu erkunden.
  • Die Effizienz der Steuergutschriften für FuE‑Aufwendungen sollte erhöht werden, z.B. durch eine stärkere Ausrichtung auf Unternehmen, die nicht über die grenzüberschreitenden Steuerplanungsmöglichkeiten von multinationalen Unternehmen verfügen, und unbeabsichtigte Steuererleichterungen zu Gunsten multinationaler Unternehmen für Investitionen in wissensbasiertes Kapital sollten abgebaut werden.
  • Die Regierungen können Schritte unternehmen, um den Unternehmen die Berichterstattung über Investitionen in wissensbasiertes Kapital zu erleichtern. Auf kurze Sicht werden die Länder ermutigt, über Satellitenkonten zusätzliche Messwerte zu entwickeln, um weiterhin die internationale Vergleichbarkeit des BIP zu gewährleisten.
  • Die Wettbewerbspolitik sollte den Wettbewerb zwischen den Plattform‑Anbietern angemessen berücksichtigen, unnötige wettbewerbshemmende Produktmarktregulierungen beseitigen und das Wettbewerbsrecht effektiv durchsetzen, um Innovationen zu schützen und zu fördern.
  • Die wirtschaftliche Verwertung großer Datensätze spielt bei der Unternehmensinnovation eine wichtige Rolle. Die Regierungen der OECD‑Länder müssen mehr tun, um in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre, den offenen Datenzugang, die Infrastruktur der Informations‑ und Kommunikationstechnologie (IKT) und die IKT‑Kompetenzen kohärente Politikmaßnahmen umzusetzen.
  • In Volkswirtschaften, die sich zunehmend auf Wissenskapital stützen, müssen die Systeme zum Schutz der geistigen Eigentumsrechte mit wettbewerbsfördernden Politikmaßnahmen und effizienten Rechtssystemen verknüpft werden. Darüber hinaus sollten Schritte unternommen werden, um der Erosion der Patentqualität entgegenzuwirken (z.B. die Frage, ob Patente wirklich neue Innovationen widerspiegeln). Die gegenseitige Anerkennung und Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Systemen, die den Schutz der geistigen Eigentumsrechte gewährleisten, muss auf internationaler Ebene verbessert werden.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

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© OECD (2013), Supporting Investment in Knowledge Capital, Growth and Innovation, OECD Publishing.
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